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LeRP – offen für Studierende aller Fachrichtungen!
Inklusion, Integration, Vielfalt, Pluralismus: Wer sich mit dem Thema Schule auseinandersetzen möchte, wird zugleich mit diesen Begriffen konfrontiert. Seitdem die Kultusministerkonferenz im Jahr 2015 das „heterogene Klassenzimmer“ gefordert hat, steht die „Schule der Vielfalt“ mehr denn je im Fokus. Die gegenwärtige politische Situation zeigt täglich, dass Unwissenheit in Bezug auf einzelne Religionen und Kulturen verheerend ist. Diskriminierung und Rassismus sind die Folge.
Und hier tritt die Lernwerkstatt Religion Plural in den Vordergrund: Das Projekt bietet den Studierenden einen Interaktionsraum, in dem eine positive Diversitätskultur erfahrbar wird. Diese gelingt z.B. durch Begegnungen mit anderen Religionen und deren Glaubensgemeinschaften. Ziel ist es, neue (=fremde) Blickwinkel und Perspektiven einzunehmen und damit aus einer anderen Sichtweise Erfahrungen und Empfindungen zuzulassen. Die Teilnehmer:innen lernen u.a. dadurch Methoden kennen, die auf eine inklusive Bildung ausgerichtet sind.
Die Lernwerkstatt steht Lehramtsstudierenden aller Fächer offen, denn nicht nur im Religionsunterricht spielen Kultur und Religion eine Rolle. Es soll diskutiert und debattiert werden. Dementsprechend setzt sich das LeRP-Material aus vielen verschiedenen Medien zusammen: profane Literatur, Musik, SPIEGEL-Zeitschriften, Youtube-Videos, religionspädagogische Fachliteratur, religionswissenschaftliche Fachliteratur usw.
Die LeRP steht bereits ab dem Sommersemester 2017 Lehramtsstudierenden aller Fächer zur Verfügung.
Religiöse und kulturelle Heterogenität in der Lernwerkstatt Religion Plural (LeRP)
Das grundsätzliche Ziel der Lernwerkstatt Religion Plural basiert auf einer Toleranz- und Friedenserziehung, sowie im Abbau von Vorurteilen. Kulturelle und religiöse Heterogenität sind dabei zwei Schlüsselbegriffe, die für Konzept und Gestaltung eine bedeutende Rolle spielen.
Besonders im letzten Jahrzehnt (Stand 2026) hat sich die Gesellschaft insofern verändert, als dass mehr Menschen aus verschiedenen Kulturen nach Deutschland eingewandert sind. Eine kulturelle und religiöse Diversität ist nach und nach in Schulen sichtbar geworden, wodurch sich die Anforderungen an Lehrpersonen verändert haben: Wie gestaltet sich der Umgang mit Sprachbarrieren und wie können Kinder anderer Kulturen integriert werden? Daher ist es wichtig, aktuelle Lehramtsstudierende auf diese neue Schulsituation vorzubereiten. Die LeRP fokussiert sich vor allem auf interkulturelle und interreligiöse Themen, die in Schulen häufig eine Rolle spielen.[1]
Inhaltlich gesehen sollen die Studierenden durch die LeRP Maßnahmen und Methoden für den Unterricht kennenlernen, um Vorurteile gegenüber fremden Kulturen und Religionen gezielt anzusprechen, abzubauen und „fremde“ Perspektiven einzunehmen.
Das Konzept ist so ausgerichtet, dass neben fachwissenschaftlichen Inhalten auch Soft Skills, beispielsweise Konfliktlösestrategien, trainiert werden können. Die Lernwerkstatt wird zwar von der Katholischen Theologie angeboten, präsentiert sich aber als religionswissenschaftliche Übung. Studierende aller Konfessionen und weltanschaulicher Einstellungen können somit daran teilnehmen. Studierende der Theologien haben den Vorteil, dass konkrete Unterrichtsinhalte in einer Schule im Rahmen des Religionsunterrichts umgesetzt werden können. Im Rahmen von Kooperationen mit Schulen können Studierende diese Möglichkeit beispielsweise in einer selbst durchgeführten Religionsstunde wahrnehmen. Im Anschluss bekommen sie konstruktive Kritik von den Religionslehrkräften, die normalerweise in den Klassen unterrichten.
Des Weiteren arbeitet die Lernwerkstatt mit der Gemeinschaftsschule Nohfelden-Türkismühle zusammen. Konkret ist hierbei der Religionslehrer Jörg Friedrich zu nennen, der das Konzept der „Trialogischen Nische“ entworfen hat. Er ist für die Studierenden ein wichtiger Ansprechpartner, wenn das Thema „Umgang mit religiöser und kultureller Vielfalt“ thematisiert wird.
Nicht-Theologiestudierende profitieren von der LeRP, indem sie reale Schulsituationen diskutieren und reflektieren können. Mithilfe ausgewählter Expertise setzt die LeRP künstlerische Elemente (z.B. Rollenspiele) ein, die zum Perspektivenwechsel anregen sollen.
Im Zentrum der Lernwerkstatt steht weniger das Vermitteln von Religionskunde, sondern die Auseinandersetzung mit religiösen Traditionen[2]: interdisziplinär diskutieren, vergleichen und kritisch reflektieren. Die Vielfalt der einzelnen Strömungen spielt dabei eine besondere Rolle, die immer wieder thematisiert werden muss. Sowohl im Islam als auch im Judentum oder Christentum gibt es verschiedene religiöse Ausprägungen, die ihre eigenen Prinzipien verfolgen. Es wäre fatal, gerade in Bezug auf Religionen und Kulturen pauschalisierend zu argumentieren. Das Bewusstsein dafür soll in der LeRP stärker ausgebildet werden.
Um diesen Herausforderungen zu begegnen, sieht die LeRP außerschulische Lernorte vor. Für die LeRP stellt die Begegnung mit anderen Religionen somit ein wichtiger Aspekt dar. Treffen mit Religionsvertreter:innen sowie der Besuch von Gotteshäusern sollen die Fähigkeit zur differenzierten Wahrnehmung von Gemeinsamkeiten und Unterschieden fördern. Diese „didaktischen Schätze“ sollen für Studierende verstärkt im Hinblick auf eigene Unterrichtsentwürfe sichtbar werden. Bisher war die Lernwerkstatt zu Gast in der Saarbrücker Synagoge. Ebenfalls konnten die Studierenden an einem Gesprächsaustausch mit einer Jüdin und einem Jesiden teilnehmen.
Da das Thema religiöse Heterogenität eine zentrale Rolle spielt, sind vorwiegend Materialien aus dem religionswissenschaftlichen Bereich vorhanden.
Es gibt fünf Religionskoffer (je ein Koffer gehört zu einer Religion). Den Studierenden wird dieses Equipment bereitgestellt, damit auch sie – als zukünftige Lehrpersonen – verschiedene Gegenstände aus anderen Religionen besser kennenlernen. Einiges ist aus der Literatur bekannt, anderes hingegen nicht. Das vorhandene Material kann für die eigene Unterrichtsgestaltung somit erprobt und verwendet werden. Hierfür stehe ich in stetigem Kontakt zu Dr. Beate Klepper von der Universität Eichstätt-Ingolstadt. Sie ist für mich eine wichtige Ansprechpartnerin, wenn es um die Aufbereitung dieser Materialien geht. Zudem konnte ich als weiteren Kooperationspartner Prof. Dr. Hans Mendl von der Universität Passau dazugewinnen, der zum Expert:innenkreis für religionspädagogische Lernwerkstätten zählt.
[1] Oftmals sind es Kleinigkeiten, die im Schulalltag auftreten, beispielsweise das Verweigern des Handschlags gegenüber einer Lehrerin.
Vgl. https://www.n-tv.de/panorama/Junger-Muslim-verweigert-Lehrerin-die-Hand-article18171241.html (zuletzt eingesehen am 08.05.2026).
Zudem können Diskussionen auftreten, die die ganze Schule betreffen, beispielsweise zur Frage, ob ein muslimischer Schüler in der Schule beten darf.
Vgl. https://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/muslimischer-schueler-gericht-verbietet-gebete-in-der-schulpause-a-697142.html (zuletzt eingesehen am 08.05.2026).
Dabei geht es neben organisatorischen Fragen (Welcher Raum?) auch um die Frage nach dem Schulfrieden. Für das Saarland wird folgendes festgehalten: „§ 1 Der Erziehungsauftrag ist in der Art zu erfüllen, dass durch politische, religiöse, weltanschauliche oder ähnliche äußere Bekundungen weder die Neutralität des Landes gegenüber Schülerinnen und Schülern und Eltern noch der politische, religiöse oder weltanschauliche Schulfrieden gefährdet oder gestört werden.“ Gesetz Nr. 812 zur Ordnung des Schulwesens im Saarland (Schulordnungsgesetz SchoG). Vom 5. Mai 1965 in der Fassung der Bekanntmachung vom 21. August 1996 (Amtsbl. S. 846, ber. 1997 S. 147), zuletzt geändert durch das Gesetz vom 25. Juni 2025 (Amtsbl. I S. 566). Hierbei tritt die Problematik auf, ob sich andere Schüler:innen durch das muslimische Gebet gestört fühlen könnten oder ob dies nicht der Fall ist.
[2] Dazu gehören beispielsweise Diskussionen über das Kopftuchtragen, Essensvorschriften, bestimmte Feste und Riten (z.B. Ramadan) sowie gesellschaftlich aktuelle Themen (Umgang mit dem Themenkomplex Flucht und Migration sowie kulturelle Verschiedenheit).
- Lehrerfortbildung am ILF zum Seminarthema
- Außerschulische Lernorte besuchen, kennenlernen und nutzen
- theaterpädagogische Elemente, um Rollenspiele durchzuführen, die beim Perspektivenwechsel dienlich sind
- Material selbst erforschen und aufbereiten
konkrete pädagogische „Wegweiser“ zum Thema religiöse Heterogenität bzw. zu interkulturellem Lernen in der Schule
--> Angebote und Inhalte sollen so vermittelt und durchgeführt werden, dass die Studierenden sie ebenfalls in ihrem Unterricht später einsetzen können.
- Erforschendes Lernen - argumentieren und diskutieren
- Erforschendes Lernen - recherchieren
- kreative und theaterpädagogische Aktivitäten
- Material ausleihen
- Material entwickeln
- Material erproben
- Lernumgebung gestalten (auch Unterrichtsplanung)
- Lernumgebung erproben
- pädagogische Situationen untersuchen
- Unterrichtsbeobachtung
- andere beraten
- sich beraten lassen
- Intersektionalität
- religionswissenschaftliche Fragestellungen im Kontext der Religionspädagogik
- Pluralität der Religionen und interkulturelle Aspekte
- Antisemitismusprävention und -dekonstruktion
- Ökumenische Theologie
- Rassismuskritische Fachdidaktik
Habilitation zu Antisemitismusprävention in der universitären Lehramtsausbildung
Externe Kooperationen:
- ILF: Fortbildung zu aktuellen Themen aus Religion/Gesellschaft/Politik mit Fokus auf interkulturelle und interreligiöse Aspekte bzw. religiöse Heterogenität
- Ramesch Saarbrücken - Forum für interkulturelle Begegnung e.V.: Studierende sollen den Verein kennenlernen/besuchen (vielfältige Materialsammlung, für Grundschulunterricht geeignet)
- Gemeinschaftsschule Nohfelden
- Synagogengemeinde Saarbrücken
- Adolf-Bender-Zentrum
- RIAS
- Universität Hamburg
Interne Kooperationen:
- mit der Koordinatorin Mareike Kelkel (regelmäßige Absprachen und notwendige Aufbereitungsmaßnahmen für das eigene Projekt)
- mit der evangelischen Theologie, insb. Herr Prof. Dr. Meyer
- Lehr-Lern-Atelier Dr. Fabienne Korb